Was James Cameron 1991 für den T-1000 in Terminator 2 noch mit teuren CGI-Effekten am Computer tricksen musste, ist am EPFL (École Polytechnique Fédérale de Lausanne) nun greifbare Realität geworden. Forscher haben eine Roboterhand entwickelt, deren Handfläche ihre Form verändern kann: Sie schmilzt buchstäblich dahin, schmiegt sich perfekt an ein Objekt an und erstarrt dann zu einem ultrastabilen Griff.
Hinter dem Projekt steckt das Reconfigurable Robotics Lab der EPFL unter der Leitung von Professorin Jamie Paik. Das Team hat sich einem der größten Probleme der Robotik angenommen: dem Greifen von unbekannten oder komplex geformten Gegenständen. Die Lösung ist ebenso elegant wie radikal. Die Handfläche besteht aus einer Low-Melting-Point Alloy (LMPA) – einer speziellen Legierung aus Bismut, Indium und Zinn, die bereits bei moderaten 60 °C flüssig wird. Wenn der Roboter zupacken will, verwandelt ein integriertes Heizelement die Handfläche in eine formbare Masse. Die Finger positionieren die Hand am Zielobjekt, das flüssige Metall passt sich jeder Kontur perfekt an und kühlt anschließend ab, um einen bombenfesten Formschluss zu bilden.
Der Clou des Designs liegt im thermischen Management. Um den Abkühl- und Erstarrungsprozess zu beschleunigen, kann sich die gesamte Hand vom Roboterarm abkoppeln und in ein Wasserbad getaucht werden. Sobald das Metall wieder starr ist, holt der Arm die Hand zurück. Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Hand kann einerseits hochsensible Gegenstände führen, andererseits aber Lasten heben, die das 40-fache ihres eigenen Gewichts entsprechen. Die in der Fachzeitschrift Science Robotics veröffentlichte Studie zeigt eine völlig neue Symbiose aus Soft Robotics und klassischer, starrer Mechanik.
Warum das ein Gamechanger ist
Diese “Terminator-Hand” markiert einen Meilenstein auf dem Weg zum universellen Greifsystem. Bisher mussten sich Ingenieure meist zwischen zwei Welten entscheiden: Soft-Gripper sind zwar anpassungsfähig, aber oft zu schwach. Starre Greifer hingegen haben Kraft, wirken bei unregelmäßigen Formen aber oft wie ein Elefant im Porzellanladen. Durch den Einsatz des Phasenwechselmaterials hat das EPFL-Team ein System geschaffen, das beides kann: unendliche Anpassungsfähigkeit und enorme Stabilität. Diese Technologie könnte alles revolutionieren – von der Lagerlogistik, in der Roboter mit Millionen verschiedener Produkte hantieren müssen, bis hin zu High-End-Prothesen oder dem Einfangen von gefährlichem Weltraumschrott im Orbit.













