Schichtbeginn: Humanoid-Roboter HMND 01 im Einsatz bei Siemens

Während die Roboter-Revolution oft mit spektakulären, aber wenig praxistauglichen Demos von sich reden macht, zeigt die Realität in deutschen Werkshallen ein deutlich pragmatischeres Bild. Das britische Startup Humanoid und der deutsche Industrieriese Siemens AG haben am 15. Januar 2026 einen entscheidenden Meilenstein verkündet: Den erfolgreichen Abschluss eines zweiwöchigen Praxistests (Proof-of-Concept, POC) im Siemens-Elektronikwerk in Erlangen (EWA). Im Rampenlicht stand dabei der HMND 01, ein fahrbarer Alpha-Roboter, der zeigen musste, was er im harten Industriealltag wirklich taugt.

Der Roboter war in Erlangen nicht etwa als Statist für Imagefilme unterwegs, sondern für das „Tote-to-Conveyor Destacking“ eingeteilt. Konkret bedeutet das: Der HMND 01 stapelte autonom Behälter von Lagerstapeln ab, transportierte sie zum Förderband und platzierte sie dort punktgenau für die menschlichen Kollegen. Diese Sequenz wiederholte er unermüdlich, bis der Stapel abgearbeitet war – genau jene Art von repetitiver Logistikarbeit, für die menschliche Bandscheiben seit der industriellen Revolution schlicht nicht gemacht sind. Dieser erfolgreiche Testlauf markiert den ersten Schritt einer tiefergehenden Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen.

Warum das Ganze mehr als nur eine Spielerei ist

Dieser Pilotversuch ist nicht deshalb so bedeutend, weil zum ersten Mal ein Humanoide eine Fabrik von innen gesehen hat – das wird mittlerweile fast schon zum gewohnten Bild. Vielmehr liefert er einen entscheidenden Datenpunkt für den Übergang von der reinen Forschung (R&D) hin zum echten wirtschaftlichen Nutzen (ROI).

Die Zusammenarbeit mit einem Schwergewicht wie Siemens ist für die Plattform von Humanoid ein Ritterschlag und eine unschätzbare Validierung unter Realbedingungen. Während zweibeinige Roboter meist die Schlagzeilen und YouTube-Klicks dominieren, unterstreicht dieser Einsatz eines fahrbaren Humanoiden einen erfrischend pragmatischen Ansatz: Industrielle Probleme löst man am besten mit dem Formfaktor, der heute schon funktioniert. Dass Roboter in komplexen, auf den Menschen zugeschnittenen Umgebungen zuverlässig „langweilige“ Aufgaben übernehmen, ist genau die unspektakuläre, aber harte Arbeit, die die gesamte Branche vorantreibt.