Westwood Robotics: Humanoid THEMIS lernt das Multitasking

Gerade als man dachte, das Rennen um den perfekten humanoiden Roboter würde langsam unübersichtlich, drängt sich Westwood Robotics mit einem Update nach vorne, das tatsächlich aufhorchen lässt. Das Unternehmen hat den THEMIS Gen2.5 vorgestellt und behauptet selbstbewusst, es handle sich um den weltweit ersten kommerziellen Full-Size-Humanoiden, der gleichzeitig „laufen und Kaugummi kauen“ kann – oder, um präziser zu sein: Er kann Objekte manipulieren, während er in Bewegung bleibt.

Dieses neue Kunststück wird durch ein massives Upgrade bei Hardware und Software ermöglicht. Das Skelett des Roboters wurde verstärkt und bietet nun eine um 40 % höhere Stoßfestigkeit – denn Fortschritt bedeutet manchmal eben auch, dass man mal stolpert. Die Arme verfügen über sieben Freiheitsgrade (7-DoF) und eine maximale Traglast von über 5 kg pro Arm. Die eigentliche Sensation – oder besser gesagt: die coolste Neuerung – sind jedoch die neuen Mountain BEAR-Aktuatoren in den Hüftgelenken. Diese maßgeschneiderten Kraftpakete liefern satte 120 % mehr Drehmoment, während sie gleichzeitig rund 80 % weniger Hitze erzeugen. Das bedeutet, dass THEMIS deutlich seltener Gefahr läuft, bei anstrengenden Aufgaben den Hitzetod zu sterben – ein Problem, das seinen menschlichen Kollegen durchaus nicht ganz fremd ist.

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Auf der Softwareseite führt Westwood sein AOS (AI-Augmented Humanoid OS) ein. Diese „Gehirntransplantation“ basiert auf drei Säulen: einem Ganzkörper-Controller für stabile Fortbewegung und Manipulation (Loco-Manipulation), einem Navigationsmodul für das semantische Verständnis der Umgebung und einem Interaktionsmodul. Letzteres wird durch ein Object-Centric Vision-Action Model (OC-VAM) angetrieben – eine schicke Umschreibung dafür, dass der Roboter viel intelligenter erkennt und entscheidet, wie er Objekte greifen und bewegen muss, während er gleichzeitig effizient seine Aufgaben plant.

Warum ist das wichtig?

Die Fähigkeit, Objekte während des Gehens zu manipulieren – eine Fertigkeit, die wir Menschen als selbstverständlich erachten –, ist für kommerzielle Humanoide ein monumentaler Sprung. Die meisten Roboter stecken noch immer in einer „Stoppen, Nachdenken, Handeln“-Schleife fest, was in dynamischen Umgebungen wie Lagerhallen oder Fabriken quälend ineffizient ist. Durch die gleichzeitige Fortbewegung und Manipulation lässt THEMIS die inszenierten Labordemos hinter sich und betritt das Feld der praktischen, realen Anwendung.

Dieser Durchbruch kommt nicht von ungefähr. Westwood Robotics ist ein Spin-off des renommierten Robotics & Mechanisms Laboratory (RoMeLa) der UCLA – genau jenes Labor, das auch den fußballspielenden Humanoiden ARTEMIS hervorgebracht hat. Dieser Roboter, bekannt für seine Rekordgeschwindigkeiten und Agilität dank eigener Aktuatoren, lieferte offensichtlich die DNA für die beeindruckenden neuen Fähigkeiten von THEMIS. Indem Westwood Robotics diese akademische Exzellenz kommerzialisiert, bauen sie nicht einfach nur einen weiteren Roboter; sie zwingen der gesamten Branche ein neues Tempo auf.