Amazon verkauft humanoide Roboter – doch Vorsicht ist geboten

In einem Manöver, das irgendwo zwischen tiefster Science-Fiction und herrlicher Absurdität rangiert, kann man jetzt tatsächlich einen humanoiden Roboter bei Amazon in den Warenkorb legen. Unitree Robotics, Inc. hat seinen G1 Humanoid Robot auf der Plattform des Einzelhandelsriesen gelistet – für schlappe 17.990 $, inklusive kostenlosem Zwei-Tage-Versand für Prime-Mitglieder, die den plötzlichen, fünfstelligen Drang verspüren, sich ein Stück Zukunft ins Wohnzimmer zu stellen.

Das hier ist kein Spielzeug. Der Unitree G1 ist etwa 127 cm groß, wiegt rund 35 kg und verfügt über 23 Freiheitsgrade. Ausgestattet mit 3D-LiDAR und einer Tiefenkamera ist er bestens gerüstet, um seine Umgebung wahrzunehmen. Doch bevor Sie jetzt Platz in Ihrer Werkstatt schaffen, gibt es einen ziemlich fetten, softwareseitigen Haken, der direkt im Produkttitel prangt: „No Secondary Development“.

Dieser eine Satz ist der Schlüssel zur ganzen Geschichte. Diese Version des G1 ist ein geschlossenes System. Im Gegensatz zur G1-EDU-Edition, die sich an die Forschung richtet, bietet dieses Modell kein SDK, keine API und keinen offiziellen Weg, eigenen Code dafür zu schreiben. Das verwandelt eine potenziell mächtige Robotik-Plattform in das wohl hochentwickeltste und teuerste Influencer-Accessoire der Welt. Wie der Robotik-Experte Chris Paxton anmerkte, scheint die Zielgruppe für diese spezifische Einheit eher im Bereich Content Creation zu liegen, statt bei ernsthaften Entwicklern, die programmierbare Versionen direkt bei Unitree beziehen würden.

Warum ist das wichtig?

Der Verkauf eines humanoiden Roboters auf Amazon ist ein Meilenstein, ungeachtet der Einschränkungen. Er normalisiert die Vorstellung von High-End-Robotik als Massenprodukt, das man einfach neben Socken und Batterien in den Einkaufswagen packen kann. Auch wenn diese „Gucken, aber nicht Anfassen“-Version des G1 die KI-Forschung in keiner Garage vorantreiben wird, ist ihre Präsenz ein massives Signal dafür, wohin die Reise geht. Hier wird der Zugang demokratisiert, wenn auch (noch) nicht der Nutzen.

Die Ironie der Geschichte ist natürlich, dass Amazon selbst Berichten zufolge programmierbare Versionen des Unitree G1 testet, um eigene Ambitionen bei der Paketauslieferung voranzutreiben. Während Sie also einen G1 kaufen können, der sich nicht programmieren lässt, ist Amazon fleißig dabei, G1-Modelle so zu trimmen, dass sie Ihnen eines Tages den G1 an die Haustür bringen, den Sie gerade bestellt haben. Die Roboter-Revolution wird nicht im Fernsehen übertragen – sie kommt per Prime-Versand, Entwickler-Kit separat erhältlich.