Audi mustert die klobigen Standard-Roboterarme aus und setzt stattdessen auf echtes Fingerspitzengefühl: KI-gesteuerte, humanoide Hände halten Einzug in die Werkshallen. In einer neuen Partnerschaft mit dem Zürcher Startup Mimic Robotics schickt der Ingolstädter Autobauer einen zweiarmigen, feinfühligen Manipulator ans Band, um komplexe Montageaufgaben zu bewältigen, die bisher als „automatisierungsresistent“ galten und ausschließlich menschlichen Profis vorbehalten waren.
Das neue System wird aktuell für das Einsetzen von Dichtungsleisten trainiert – ein Job, der eine extrem sensible Haptik und hohe Anpassungsfähigkeit erfordert. Die technologische Basis bildet ein End-to-End-KI-Modell nach dem „Pixel-to-Motion“-Prinzip. Das bedeutet: Der Roboter lernt durch bloßes Zuschauen und Nachahmen. Erfahrene Mitarbeiter tragen dabei spezielle Data-Capture-Handschuhe, um die KI mit hochpräzisen Datensätzen menschlicher Bewegungsabläufe zu füttern. Durch dieses Imitation Learning können die Roboterhände Variationen im Bauteil erkennen und sich in Echtzeit korrigieren – ein gewaltiger Sprung im Vergleich zu den starr vorprogrammierten Routinen klassischer Industrieroboter.
Dieser Vorstoß ist Teil von Audis ambitionierter „Smart Factory“-Strategie, die darauf abzielt, KI und Cloud-basierte Systeme tief in die Fertigungsprozesse zu integrieren. Das Unternehmen forscht bereits intensiv an Wegen, auch die schwierigsten Disziplinen zu automatisieren, wie etwa die berüchtigte Montage von Kabelbäumen, die aufgrund ihrer Flexibilität bisher kaum maschinell zu bändigen war.
Warum ist das wegweisend?
Während die Tech-Welt gebannt auf voll-humanoide Roboter starrt, verfolgt Mimic Robotics einen deutlich pragmatischeren und schneller skalierbaren Ansatz: die Kombination aus hochsensiblen Händen und bewährten Industrierobotern. Diese Strategie konzentriert sich darauf, das drängendste Problem zu lösen – menschliche Fingerfertigkeit –, ohne die astronomischen Kosten und die mechanische Komplexität eines kompletten Androiden in Kauf nehmen zu müssen. Audi und Mimic validieren hier ein „Minimal-Humanoid“-Modell, das die Lücke zwischen der heutigen Automatisierung und der vollrobotisierten Fabrik von morgen schließen könnte. Es ist ein leiser, aber entscheidender Schritt in eine Zukunft, in der Roboter nicht mehr nur fürs Grobe zuständig sind, sondern auch die knifflige Feinarbeit beherrschen.













