Sony-Roboter näht Maiskorn: Meisterstück der Mikrochirurgie

Wer glaubt, eine wirklich ruhige Hand zu haben, sollte sich mal mit der Sony Group Corporation unterhalten. Das Unternehmen hat auf der ICRA 2024 im Mai den Prototyp eines neuen Assistenzroboters für die Mikrochirurgie enthüllt. Sein erster beeindruckender Partytrick: Das präzise Vernähen eines einzelnen Maiskorns – eine Fingerfertigkeit, die das Einfädeln einer Nadel wie ein grobes Kinderspiel aussehen lässt. [1, 5] Doch die virale Demo war nur die Spitze des Eisbergs: Bei einem Experiment an der Aichi Medical University im Februar 2024 ermöglichte der Roboter medizinischem Personal ohne spezialisierte Ausbildung in der Mikrochirurgie das erfolgreiche Verbinden von tierischen Blutgefäßen mit einem Durchmesser von gerade einmal 0,6 mm. [7, 8]

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Hierbei handelt es sich nicht um einen autonomen Chirurgen, sondern um ein hochmodernes Teleoperations-Werkzeug, das die Fähigkeiten eines menschlichen Arztes massiv erweitert. [3, 14] Das System überträgt die Handbewegungen des Chirurgen von einem feinfühligen, stiftähnlichen Controller auf die miniaturisierten Instrumente des Roboters. Dabei wird natürliches Zittern (Tremor) einfach herausgefiltert, was eine fast schon übermenschliche Präzision ermöglicht. [16, 21] Der Operateur behält das OP-Feld über ein stereoskopisches 4K-OLED-Mikrodisplay im Blick – hier spielt Sony seine jahrzehntelange Expertise in der Bildtechnologie voll aus. [1, 4, 13] Eine entscheidende Innovation ist zudem die Fähigkeit des Roboters, seine winzigen chirurgischen Instrumente automatisch zu wechseln. Dieses Feature soll Unterbrechungen und Verzögerungen minimieren, die bei herkömmlichen robotergestützten Eingriffen oft den Workflow stören. [6, 12]

Warum ist das ein Gamechanger?

Die sogenannte Super-Mikrochirurgie, bei der Nerven und Gefäße von oft weniger als einem Millimeter Breite operiert werden, ist eine Elitedisziplin, die nur von einer handvoll Spezialisten weltweit beherrscht wird. [8, 14] Sonys Prototyp zielt nicht darauf ab, diese Experten zu ersetzen, sondern ihr Können zu demokratisieren. [3] Indem Sony ein System schafft, das auch Nicht-Spezialisten befähigt, derart filigrane Aufgaben zu bewältigen, adressiert das Unternehmen ein globales Problem: den eklatanten Mangel an hochqualifizierten Chirurgen, verschärft durch eine alternde Belegschaft. [4, 6] Diese Technologie könnte komplexe, lebensrettende Eingriffe zugänglicher, konsistenter und effizienter machen. Es zeigt sich: Die ruhigste Hand im Operationssaal könnte schon bald eine robotergestützte sein.