In einer Branche, in der eine einzige feinfühlige Roboterhand gut und gerne 140.000 € und mehr kosten kann, schlägt ein Silicon-Valley-Startup einen radikalen Kurswechsel ein. TetherIA, ein Anfang 2025 von Veteranen der Foundation-Model-Teams von Tesla Optimus und Waymo gegründetes Unternehmen, hat die Aero Hand Open veröffentlicht: eine vollständig quelloffene Roboterhand, die sich als Bausatz für gerade einmal 295 € realisieren lässt.
Die Aero Hand Open ist ein fünf-fingriger, sehnengesteuerter Manipulator, der speziell dafür entwickelt wurde, die Einstiegshürden in der Robotikforschung massiv zu senken. Die gesamte Struktur kann aus Nylon 3D-gedruckt werden, wobei handelsübliche Elektronikkomponenten zum Einsatz kommen, um die Kosten auf dem Boden zu halten. Das Design bietet 7 aktive Freiheitsgrade (DoF) verteilt auf 16 Gelenke – und das alles bei einem Fliegengewicht von nur 389 Gramm. Die Sehnen-Architektur, bei der Kabel die Kräfte von wenigen Motoren auf mehrere Gelenke übertragen, ermöglicht flüssige, natürliche und nachgiebige Bewegungsabläufe.

Auch auf der Softwareseite stellt TetherIA sicher, dass die Hand bereit für die moderne KI-Entwicklung ist. Sie ist kompatibel mit ROS2-Systemen, wird mit einem eigenen Python-SDK geliefert und vollständig im Physik-Simulator MuJoCo unterstützt; die Integration für NVIDIA Isaac Sim ist bereits in Arbeit. Dies ermöglicht es Forschern, Steuerungsstrategien (Control Policies) zu trainieren und Algorithmen in der Simulation zu benchmarken, bevor sie auf der physischen Hardware zum Einsatz kommen.
Warum ist das so wichtig?
Die exorbitanten Hardwarekosten waren lange Zeit das Nadelöhr für Fortschritte im Bereich der geschickten Manipulation (Dexterous Manipulation). Die Aero Hand Open hat zwar nicht den Anspruch, mit einem sechsstelligen Industrie-Manipulator zu konkurrieren, doch ihr fast schon schockierend niedriger Preis und ihr Open-Source-Charakter könnten das Feld demokratisieren. Indem TetherIA eine leistungsfähige, anthropomorphe Hand für unterfinanzierte Uni-Labore, Bildungseinrichtungen und sogar für Bastler zugänglich macht, liefert das Startup die Werkzeuge, mit denen eine weitaus größere Community an einer der größten Herausforderungen der Robotik experimentieren kann. Angesichts eines Teams mit der DNA von Tesla und Waymo ist dies kein bloßes Hobbyprojekt, sondern ein strategischer Schachzug, um Innovationen von der Basis aus zu beschleunigen.













