Offenbar hat man bei Airbus endgültig die Nase voll von der absurden Arithmetik moderner Luftverteidigung. In einer Welt, in der millionenschwere Raketen auf Drohnen abgefeuert werden, die weniger kosten als ein gebrauchter Kleinwagen, stimmt die Rechnung einfach nicht mehr. Die Antwort des Luftfahrtriesen: Eine wiederverwendbare Jäger-Drohne, die eigene Mini-Raketen zum Schnäppchenpreis verschießt. Das System mit dem treffenden Namen Bird of Prey (Raubvogel) konnte nun bei einem ersten Demonstrationsflug in Deutschland seinen ersten “Air-to-Air-Kill” verbuchen.
Die Ankündigung erfolgte via X durch Boris Alexander Beissner, Abteilungsleiter bei Airbus Defence and Space. Besonders beeindruckend: Vom Projektstart bis zum ersten erfolgreichen Abfangmanöver vergingen gerade einmal neun Monate – ein im Rüstungssektor fast schon unheimliches Tempo. Technisch basiert der Bird of Prey auf der Do-DT25, einer bewährten Zieldrohne mit 160 kg Abfluggewicht und 2,5 Metern Spannweite, die hier kurzerhand vom Gejagten zum Jäger umfunktioniert wurde.
Während des Tests spürte die Drohne autonom eine Kamikaze-Zieldrohne auf und bekämpfte sie mit einer “Frankenburg Mk1”-Rakete. Diese ultra-leichten Interzeptoren, entwickelt vom Partner Frankenburg Technologies, wiegen weniger als 2 kg und sind lediglich 65 cm lang. Während der Prototyp vier dieser Raketen trug, sollen spätere Serienversionen bis zu acht Geschosse an Bord haben. Jede dieser Fire-and-Forget-Raketen hat eine Reichweite von etwa 1,5 km und nutzt einen Splittergefechtskopf, um die Bedrohung neutralisieren.
Warum das ein Gamechanger ist
Das aktuelle Kosten-Nutzen-Verhältnis in der Drohnenabwehr ist schlichtweg ruinös. Wer eine Patriot-Rakete für rund 4 Millionen Euro abfeuert, um eine 20.000-Euro-Drohne vom Himmel zu holen, gewinnt zwar das Duell, verliert aber den Abnutzungskrieg. Der Bird of Prey soll dieses wirtschaftliche Ungleichgewicht korrigieren. Durch den Einsatz einer wiederverwendbaren, relativ kostengünstigen Plattform, die billige, massentaugliche Abfangraketen verschießt, schafft Airbus eine skalierbare Verteidigung gegen Drohnenschwärme.
Es ist nicht mehr der Versuch, eine Fliege mit dem Vorschlaghammer zu treffen – es ist vielmehr so, als würde man einen Falken darauf trainieren, den Job effizient, wiederholt und ohne das Budget zu sprengen, zu erledigen. Airbus und Frankenburg planen für das Jahr 2026 weitere Tests, um das System zur vollen Einsatzreife zu bringen.
