OpenAI baut nach Trennung von Figure wieder eigene Roboter

Nach dem Motto „Dann machen wir es eben selbst“ hat OpenAI-CEO Sam Altman offiziell die Rückkehr des Unternehmens ins Robotik-Geschäft verkündet. Die neue Sparte, die schlicht auf den Namen OpenAI Robotics hört, befindet sich bereits auf einer großangelegten Recruiting-Offensive für Top-Ingenieure. Ziel ist es, Roboter zu entwickeln, die „Menschen in der physischen Welt unterstützen“. Die Ankündigung erfolgt nur wenige Monate nach dem ebenso plötzlichen wie medienwirksamen Ende der Partnerschaft mit dem Humanoiden-Spezialisten Figure.

An der Spitze dieses ambitionierten Reboots steht Aditya Ramesh – ein Name, der jedem ein Begriff sein sollte, der schon einmal per Texteingabe einen fotorealistischen Sessel in Avocado-Form generiert hat. Als einer der Väter von DALL-E und treibende Kraft hinter dem Sora-Videomodell ist Ramesh als VP of Robotics eine klare Ansage. OpenAI schraubt hier nicht einfach nur einen Chatbot auf ein Metallskelett; das Unternehmen wettet darauf, dass seine Expertise in generativer KI und Weltsimulation der Schlüssel zur „Embodied Intelligence“ ist. Ramesh bestätigte seine neue Rolle und erklärte, sein Ziel sei es, „die Intelligenz unserer Videogenerierungsmodelle in die physische Welt zu bringen“.

Natürlich ist das für OpenAI kein Neuland. Branchen-Insider erinnern sich gut an das ursprüngliche Robotik-Team, das weltweit Schlagzeilen machte, als es einer Roboterhand beibrachte, einen Zauberwürfel einhändig zu lösen. Die Abteilung wurde 2021 sang- und klanglos aufgelöst, wobei das Unternehmen damals einen Mangel an hochwertigen Trainingsdaten als massives Hindernis anführte. Die heutige Botschaft ist klar: Mit leistungsstarken Weltmodellen wie Sora lässt sich die Realität mittlerweile so präzise simulieren, dass der einstige Daten-Flaschenhals kein K.O.-Kriterium mehr darstellt.

Warum das ein Gamechanger ist

Das hier ist weit mehr als nur ein neues Forschungs- und Entwicklungsprojekt; es ist ein strategischer Pivot, der die KI-Landkarte neu zeichnet. Nachdem die kurze, aber intensiv gefeierte Kooperation mit Figure scheiterte – wobei Figure betonte, man habe eigene „Durchbrüche“ erzielt und müsse nun auf vertikale Integration setzen –, hat OpenAI offensichtlich genug davon, seine Ambitionen in der physischen Welt an Dritte auszulagern. Mit diesem Schritt tritt OpenAI in den direkten Ring gegen seinen Ex-Partner Translation not available (de) und sämtliche andere Player im Goldrausch der humanoiden Robotik.

Indem Sam Altman einen Guru für generative Modelle ans Steuer setzt, signalisiert er eine fundamentale Überzeugung: Die größte Hürde der Robotik ist nicht die Mechanik, sondern das Gehirn. Die Wette lautet, dass eine wahrhaft intelligente, weltbewusste KI mechanische Unzulänglichkeiten wettmachen kann. Eine Philosophie, die sich nun im unerbittlichen Testlabor der physischen Realität beweisen muss.