Auf dem unerbittlichen Vormarsch in Richtung echter Allzweck-Roboter waren die Hände bisher die Achillesferse der Ingenieure. Jetzt hat 1X Technologies, Inc. – die Robotik-Schmiede, die unter anderem von OpenAI finanziert wird – ein neues Paar Hände für ihren humanoiden Roboter NEO vorgestellt, das den entscheidenden Durchbruch markieren könnte. Mit beeindruckenden 25 Freiheitsgraden (Degrees of Freedom, DoF) demonstrieren diese Greifwerkzeuge eine Fingerfertigkeit und Kraft, die der menschlichen Anatomie fast schon unheimlich nahekommt.
Das Demonstrationsvideo des Unternehmens liest sich wie eine Wunschliste für Aufgaben, die man bisher nur aus Science-Fiction-Filmen kannte: vom filigranen Zusammenstecken von LEGO-Steinen über das präzise Einschenken von Tee bis hin zum Umgang mit Werkzeugen oder Kreditkarten. Technisch gesehen sind die Hände ein kleines Meisterwerk: Ein sehnengetriebenes System mit geschlossener Regelschleife, bei dem die Motoren im Unterarm untergebracht sind, ermöglicht ein leichtes und dennoch kraftvolles Design. Hinzu kommt eine hochauflösende taktile Sensorik für Druck und Kontaktpunkte, die haptisches Feedback für hochkomplexe Manipulationen liefert. Und für die schmutzigen Jobs im echten Leben? Dank IP68-Zertifizierung sind die Hände staubdicht und wasserfest – NEO gehört damit zu den wenigen Robotern, die sich nach der Arbeit tatsächlich selbst die Hände waschen können.

Die Hardfacts sind eine Ansage: 22 aktive Gelenke in den Fingern und der Handfläche, ein Handgelenk mit 3 Freiheitsgraden und genug Power, um eine 9 Kilogramm schwere Kettlebell zu heben. Die verwendeten Materialien sind lebensmittelecht, und das gesamte System wurde in Millionen von Testzyklen auf Dauerbelastung getrimmt. 1X, bereits 2014 als Halodi Robotics gegründet, hat methodisch auf diesen Moment hingearbeitet und Anfang 2024 eine Series-B-Finanzierungsrunde über 100 Millionen Dollar abgeschlossen, um die Produktion seiner Humanoiden massiv zu skalieren.
Warum ist das wegweisend?
Es geht hier nicht nur um die Hardware an sich, sondern um das Gehirn dahinter. Laut 1X besteht das primäre Ziel darin, die „Hardware-Obergrenze“ zu durchbrechen, die das Potenzial physischer KI bisher massiv eingeschränkt hat. Geschicktere und robustere Hände können eine weitaus größere Vielfalt an Aufgaben bewältigen, was im Umkehrschluss einen massiven Datenstrom an hochwertigen Interaktionen aus der realen Welt generiert. Diese Daten sind der Treibstoff für das Training komplexer Weltmodelle und „Embodied AI“ (verkörperte KI), die es Robotern wie NEO erst ermöglichen, autonom zu lernen und zu agieren. Im Grunde hat 1X seinem Roboter nicht bloß bessere Hände verpasst – sie haben eine überlegene Plattform zur Datengewinnung geschaffen, um die Ankunft wirklich nützlicher, universell einsetzbarer Humanoide zu beschleunigen.
