Humanoider Roboter führt OP mit Standardwerkzeugen durch

Die Ära des Roboter-Chirurgen hat gerade einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht – und das auf zwei Beinen. Forscher der Tsinghua University haben erfolgreich einen komplexen chirurgischen Eingriff an einem lebenden Schwein durchgeführt, wobei ein humanoider Roboter von einem menschlichen Chirurgen ferngesteuert wurde. Das ist nicht nur eine schnöde Demo; es ist ein von Fachkollegen begutachteter Proof-of-Concept für eine Zukunft, in der Mehrzweckroboter hochspezialisierte Aufgaben übernehmen können.

In einer Studie, die im renommierten Fachjournal Nature Biomedical Engineering veröffentlicht wurde, hat ein Team des Advanced Research Center for Humanoid Robots (ARClab) detailliert beschrieben, wie sie einen stark modifizierten Unitree G1 Humanoiden einsetzten, um zwei Cholezystektomien durchzuführen – für Laien: die Entfernung der Gallenblase. Ein Chirurg, bequem an einer Konsole sitzend, steuerte jede Bewegung des Roboters in Echtzeit und schloss die heiklen Eingriffe an den Schweinepatienten erfolgreich ab.

Was das Ganze von einem weiteren „Roboter macht halt irgendwas“-Video abhebt, ist die beeindruckende Geschicklichkeit des Roboters im Umgang mit konventionellen Werkzeugen. Anstatt sich auf proprietäre, millionenschwere Chirurgiesysteme mit maßgeschneiderten Endeffektoren zu verlassen, schwang der humanoide Chirurg standardmäßige, handelsübliche laparoskopische Instrumente. Das ist, robotisch gesprochen, so, als würde man mit einem aufgemotzten Kleinwagen bei einem Formel-1-Rennen auftauchen und tatsächlich mithalten können. Die Fähigkeit, bestehende Werkzeuge zu nutzen, senkt die Einstiegshürde dramatisch und erhöht die Flexibilität immens.

Warum das ein Paukenschlag ist?

Aktuelle Operationsroboter, wie das ehrwürdige da Vinci-System, sind Meisterwerke spezialisierter Ingenieurskunst. Sie sind aber auch fantastisch teuer, unbeweglich und auf eine einzige Reihe von Aufgaben beschränkt. Dieses Experiment stellt das Drehbuch nun auf den Kopf. Es deutet auf eine Zukunft hin, in der Mehrzweck-Humanoide – jene Art von Robotern, die eines Tages Infrastruktur inspizieren oder in Lagerhallen helfen könnten – mit „Chirurgen“-Software beladen werden und komplexe medizinische Eingriffe bei Bedarf durchführen können.

Die Implikationen für abgelegene oder gefährliche Umgebungen sind schlichtweg atemberaubend. Man stelle sich vor: Ein Roboter auf einer Mondbasis oder in einem Katastrophengebiet, ferngesteuert von einem Spitzenchirurgen, tausende von Kilometern entfernt. Es geht weniger darum, Chirurgen zu ersetzen, als vielmehr darum, ihre Fähigkeiten an Orte zu projizieren, an denen sie physisch nicht sein können. Der „Ich kann Kung-Fu“-Download aus der Matrix ist noch immer Science-Fiction, aber „Ich kann Gallenblasen-Chirurgie“ ist der Realität gerade einen großen Schritt nähergekommen.